• Passt scho!

    Wo war ich bloss während des letzten halben Jahres?

    Mein Blog war sträflich vernachlässigt. Ich hatte diesen ausserordentlich anstrengenden Job, von dem ich eine Zeit lang Abend für Abend völlig gerädert nach Hause kam. Da hat man auf wenig Lust und aufs Blog schreiben am allerwenigtsten.

    Anfang August starb mein Vater nach zweijährigem Krebsleiden. Natürlich hatten wir irgendwann damit gerechnet, aber die Plötzlichkeit und das Tempo, mit dem es dann zu Ende ging, überraschte uns alle. Ich unterbrach meinen Urlaub, um nach Österreich zu fahren und mit meinem Bruder die nötigsten Dinge bezüglich Begräbnis und Todesanzeigen zu regeln.

    In dieser Zeit stellte ich mir oft die Frage, ob es wirklich nichts Wichtigeres gibt im Leben als irgendwelche Rohstoffe, die auf den letzten Drücker bestellt wurden, ums Verrecken und auf Biegen und Brechen so freizugeben, dass sie die Produktion in den Kessel schmeissen kann. Und die Antwort war eindeutig.

    Als Ende August noch eine grosse Umstrukturierung in der Firma bekanntgegeben wurde, die auch meinen Bereich betraf und in meiner seit Ende Juni unterbesetzten Abteilung weitere drei Leute die Stelle kostete, schmiss ich das Handtuch und reichte Anfang September meine Kündigung ein. Seither bin ich wie neugeboren und es geht mir von Tag zu Tag besser. Manchmal denke ich mir, wenn ich die Gelassenheit, die ich jetzt habe, schon früher hätte haben können, hätten sich die Dinge vielleicht anders entwickelt, aber ich bereue diesen Entschluss nicht.

    Der Nachlass meines Vaters führte mich dieses Wochenende wieder in den Osten in meine Wiener Heimat, und sobald ich meinen Fuss in ein österreichisches Lokal setzte, in diesem Fall eine Autobahnraststätte bei Linz, musste ich unwillkürlich grinsen, als ich das erste Mal einen meiner Landsleute sagen hörte: „Passt scho“. Auch als die Österreicherin in mir wieder zum Leben erwachte und das Trinkgeld mit denselben Worten an die Kassiererin weiterreichte.
    Für mich drücken diese zwei Worte so eine Grundeinstellung der (Ost)österreicher den Unbillen des Lebens beziehungsweise dem Leben gegenüber im Allgemeinen aus. Wenn doch mal was gut läuft oder wenigstens besser als erwartet oder zumindest so, dass es keinen Schaden anrichtet, dann passt´s.

    Ich habe mir aus dem Sammelsurium meines Vaters ein paar Bücher und Fotoalben sowie etwas Porzellan und ein paar schöne Gläser mitgenommen. Dinge, an denen meine Erinnerungen hängen. Ab Mitte November wartet ein neuer Job auf mich. Ich habe meinen Bruder wiedergesehen und er hat sämtliche Erbschaftsangelegenheiten zum Wohle aller abgewickelt.

    In diesem Sinne: passt scho!

  • Vom Regen ...

    Am 1. Mai war die Welt noch in Ordnung. Die Sonne schien, es war Frühling, ich hatte den ersten Tag an meiner neuen Stelle hinter mir. Nun hat mich ein knüppelharter Arbeitsalltag im Würgegriff und der Juli wird vermutlich der Vorhof zur Hölle werden.
    Warum, warum, warum? Warum immer ich?? Da ich ja der festen Meinung bin, dass alles im Leben einen Sinn hat, hat nun also auch mein Hiersein einen Sinn.
    Gut. Fairerweise muss man dazusagen, dass ich ja prinzipiell lieber anpacke und "den Karren aus den Dreck ziehe", als mich in minutiös geregelte Abläufe einzufügen und nicht wirklich was machen zu können. Trotzdem. Es hätte ein bisschen weniger von allem sein dürfen. Weniger Stunden, weniger Lohn, weniger Chaos, weniger Hektik, weniger "heutenochdringendsofortkundewartethättegesternschongemachtwerdensollen".
    Zwei Drittel meiner Probezeit sind rum. Zwei Drittel meiner Zeit plagen mich Zweifel: Ist das hier überhaupt zu schaffen? Von mir oder von irgendjemandem? Kann ich mich in einem Jahr oder so aufatmend zurücklehnen und sagen: Philipp, das hast du gut hingekriegt? Oder bin ich in einem Jahr ausgebrannt und mit den Nerven am Ende? Wenn man das vorher immer wüsste.

  • Ooooh-renhöhe!!

    ... war am 2. Wortlaut-Festival in St. Gallen mit zwei je einstündigen Auftritten vertreten.
    Beide Acts kann man durchaus als Erfolg verbuchen. Vor allem deswegen, weil wir Publikum hatten, das uns noch nicht kannte und das von unserer "Gedieselt am 4. Fiat"-Powerversion sehr angetan war.

    Nächster Termin: 16. Mai in Winterthur, diesmal mit "Endstation Edelweiss".

    Wortlaut Festival

    T-Shirts Wortlaut_3_verkleinertT-Shirts Wortlaut_2_verkleinertT-Shirts Wortlaut_1_verkleinert

    Nachtrag:
    Wir fanden Beachtung von "Provinzpop", die anlässlich des Literaturfestivals auch unsere Lesung besuchten. Hier ihr Kommentar:

    Vadian Bank (17.30 Uhr)

    Lesung rund ums Automobil
    In den ehrwürdigen Kellerräumen der Vadian Bank brachte die Autorengruppe “Ohrenhöhe” eine szenische Lesung zum Thema “Auto”. Unter dem Titel “Gedieselt am 4. Fiat” erzählte die Ohrenhöhe unter anderem von merkwürdigen Ausflügen, sinnlichen Waschtagen, unverhofften Unfällen und vielem mehr. Auch wenn szenisches Theater eigentlich nicht unser Fall ist, überzeugte uns die Darbietung (1 Stunde) voll und ganz. Leider war der große Raum nur wenig gefüllt - aber so gab es für jeden Zuhörer am Ende derVorstellung ein Duftbäumchen fürs Auto. Beim Apéro plauderten wir noch ein wenig mit René Oberholzer, Charlotte Maier und Helen Knöpfel von der Ohrenhöhe. Einziger Wermutstropfen: die unfreiwillig komische “Werbepause” vom GF der Vadian Bank vor der Lesung

    Der ganze Artikel auf der Homepage von Provinzpop

  • Noch schnell ...

    Drei – zwei – eins – meins, oder vielmehr: keins! Kein freier Tag mehr, denn morgen geht es los, und somit drängen und drängten sich die Dinge, die noch erledigt und erlebt werden wollten, bevor ich wieder versinke in einem 45-Wochenstunden-Arbeitsalltag.

    Also noch schnell –

    die Winterreifen in der Werkstatt gegen die Sommerreifen austauschen lassen
    die hellen Jacken in die Reinigung bringen und wieder abholen
    die liebe Nachbarin von nebenan und ihren Sohn mittags bekochen
    einen Termin bei der Fusspflegerin einschieben
    die Steuererklärung für meine selbständige Erwerbstätigkeit ausfüllen
    mit meinem Sohn ein schon lange nicht mehr gespieltes Spiel spielen
    an ein paar nette Menschen längst fällige Mails verschicken
    meinen Schreibtisch aufräumen und putzen
    einen Cheesecake mit Erdbeeren backen
    mit dem freundlichen Hund einer anderen Nachbarin spazieren gehen
    das elendslange Kapitel in meinem Lektoratsmanuskript fertig korrigieren
    die schweineteure Tagescreme von Estee Lauder kaufen und sich einbilden, dass sie wirkt

    und diesen Blogeintrag schreiben und ins Netz stellen.

  • Zukunftsperspektiven

    Als ich offiziell meine Unterlagen beim Arbeitsamt einreichte, rechnete ich, in Zeiten der globalen Krise, ab Einreichdatum mit mindestens einem halben Jahr, eher einem Jahr, vielleicht sogar bis zum Ablauf meiner Rahmenfrist, wo ich zu Hause sitzen und Familienmanagerin spielen würde. Der Gedanke störte mich auch gar nicht. Selbst wenn ich mich in den nächsten Monaten 100% allein um Heim, Mann und Kind hätte kümmern müssen: nicht wirklich ein Problem. Im Gegenteil, ich habe mich sogar darauf gefreut. Im Sommer mit meinem Sohn in die „Badi“. Lange Fahrradausflüge machen. Eine Woche spontan wegfahren. Oder einfach nur mal zum See radeln und über Nacht in einer netten Pension bleiben.

    Kam aber alles anders. Als offiziell Arbeitslose musste ich mich bewerben. 10 Bewerbungen pro Monat werden gefordert, also schickte ich an Hinz und Kunz und alle möglichen Firmen enthusiastische Briefe mit meinen Unterlagen. Wir haben schliesslich Krise, ich bin alt, teuer und mein Lebenslauf ist alles andere als verlockend.

    Und wie es eben oft so geht im Leben, hatte ich bei einer Firma 40 Kilometer von meinem Wohnort entfernt im März ein Vorstellungsgespräch. Dann ein zweites. Nach dem zweiten nahm ich den Vertrag mit nach Hause, und es gab keinen vordringlichen Grund (ausser dem absehbaren Ende meines Dolce Farniente), die Stelle nicht anzunehmen. Wenige Tage später schickte ich den Vertrag unterschrieben zurück. Beginn: 1. Mai. Schon nächste Woche!
    Nach der Stellenzusage hätte ich gleich drei weitere Gespräche führen können. Lauter interessante Stellen. Hmpf.

    Eine Entscheidung für etwas ist immer auch eine Entscheidung gegen alles andere. Zum Beispiel:
    - einen privaten Mittagstisch in Wittenbach eröffnen
    - PR-Frau für die Schreibgruppen werden und mich viel mehr ums Schriftstellerische kümmern
    - Mich in der Gastronomie bewerben und einen auf Serviererin machen
    - Mich zur Sommeliere ausbilden lassen und dann eine Stelle in diesem Bereich suchen
    - Mich bei allen möglichen Fress- und Saufzeitschriften als Testesserin / Journalistin / Mädchen für alles bewerben
    - Zurück nach Österreich gehen und im hohen Norden (dort, wo die Welt nicht mal mehr einen Arsch hat) irgendein kleines Bauernhaus zum Wohnen kaufen (schon zu haben ab 50’000 Euro) und in der „Stadt“ ein Geschäftslokal mieten, um dort wahlweise eine Vinothek / eine Parfümerie / eine Bar mit feinen Kleinigkeiten zu eröffnen

    Ach, es hätte so viele Möglichkeiten gegeben, mein Leben umzugestalten. Und ich? Werde wieder als Laborleiterin in einer Lohnhersteller-Pharmabude anfangen, um dort in eine chaotische Abteilung hoffentlich ein wenig Struktur zu bringen. Wollte ich das nicht eigentlich „nie wieder“ machen?

    PS: Kommentar meines Mannes: „Wenn’s dir dort nicht gefällt, kannst du ja in der Probezeit wieder kündigen.“ Nette Aussichten.

  • Hausarbeit

    Seit vier Monaten bin ich zu Hause, und was ich niemals gedacht hätte: es geht mir nicht nur gut, sondern ich könnte mir auch vorstellen, noch eine ganze Weile so zu leben. Ich geniesse es, morgens nach dem Frühstück noch eine halbe Stunde in Ruhe meinen Tee zu trinken und Zeitung zu lesen oder ein bisschen Sudoku zu knacken (ich werde immer besser) und generell den Tagruhig zu nehmen. Zeit zu haben ist ein Luxus, den ich auskoste. Auch ohne Alena, die im April gerade mal einen Tag hier war und sich ansonsten um ihren eigenen Kram kümmert und Ferien macht. Ok, Putzen ist nicht meine Leidenschaft. Es ist anstrengend und lästig. Nichtsdestotrotz war ich am Mittwoch ungeheuer stolz auf mich, dass ich den Küchenfussboden, in den sich über die Zeit ziemlich viel Dreck festgefressen hatte, mit Hilfe einer Mischung aus Allzweckreiniger und Putzstein so sauber bekommen habe, dass er jetzt fast wie neu aussieht. Überhaupt artet Putzen bei mir sehr schnell aus. Wenn ich schon den Glasreiniger in der Hand habe, könnte ich doch auch gleich die Fenster… und mit dem Putzstein lässt sich sicher auch der Backofen… und oben auf den Schränken hat sicher auch noch nie jemand... (was sich als wahre Annahme herausstellte). Somit komme ich statt auf gute zwei Stunden, in denen sich das Gröbste erledigen liesse, locker auf fünf Stunden. Dabei vertiefe ich mich in so Sachen wie „Fernbedienung für den DVD-Player mit Glasreiniger und Wattestäbchen putzen“ und „hinterste Badezimmerecke, da, wo nach dem Duschen immer das Wasser hinkommt, mit Entkalker bearbeiten“. Nun ja. Man kann auch so seine Zeit verbringen. Jedenfalls kann mir niemand vorwerfen, ich sei nicht gründlich.

    Nebenher hatte und habe ich für diverse Lesungen viel vorzubereiten und etliche Termine, die ich wahrnehmen durfte, ausserdem arbeite ich zwischendurch immer wieder am Romanmanuskript meines Autors.
    Für diejenigen, die sich nicht vorstellen können, was ich bei so einem Lektorat mache, hier ein Auszug aus dem Originaltext (nichts gefälscht, nichts hinzuerfunden, sämtliche Fehler und Formulierungen sind mit Copy-Paste übernommen!) und darunter das, was ich in langer, mühseliger Feinarbeit daraus mache. Wohlgemerkt reden wir von 250 Seiten Manuskript!

    Auszug Originalmanuskript:

    Der Vater starrte während dem Abladen, die ganze Zeit zu dem kleinen Wall hin und liess diesen Ort nicht mehr aus dem Auge. Sein Sohn Harur und die anderen in seiner Gruppe bereiteten die Wagen für die kommenden Tauschgeschäfte vor. Danach merkten auch sie, dass etwas nicht stimmte: Niemand aus dem Dorf empfing sie. Es war ruhig, - einfach zu ruhig. Und als der alte Mann näher die Wall betrachtete, sah er, dass zwar alle Baumstämmen noch gleichermassen im Boden eingegraben waren, also nichts Ungewöhnliches. Jedoch zeigte sich noch niemand an der vor ihnen offen stehenden Tor.
    Der Vater stand da und überlegte: „Mein Sohn, hm, normalerweise empfangt man uns etwas erfreulicher ...“
    Ein anderer Fahrer, der ungefähr in seinem Alter war kam zu ihm heran gelaufen. Auch er sah, dass etwas mit dem Dorf nicht stimmte.
    „Wo sind sie denn alle geblieben?“
    Diese Frage konnte der Vater nicht beantworten.
    „Bleibt hier, ich werde mal nachsehen ...!“ sagte er und sah seinen Sohn mit kurzen Blicken an. „Löst die Pferde Freunde, etwas scheint hier nicht mit rechten Dingen zugehen oder etwas ist hier geschehen?“ beendete er die zweite Hälfte des Satzes mit einem flüstern.
    Der Mann rannte zu seinem Wagen nach hinten und gab den Befehl an die anderen weiter. Danach holte er vorsichtshalber einen Bogen und den Köcher mit den Pfeilen hervor. Harur sah seinem Vater nach, der sich mutig getraute auf dieses so ruhige Dorf heranzutreten.
    „Onuma, warte ich gehe mit, sagte der hintere Fahrer und rannte etwas schneller auf den Vater zu. Auch die anderen holten ihre Waffen hervor. Beil und Schwerter wurden gezogen und einige Bogen bespannte man. Es war eine merkwürdige ruhige Stille in diesem Tal. Onuma richtete seinen Blick schnell zu dem Mann und nickte. Dann wartete er eine Weile und ging gemeinsam mit diesem Mann zum Dorf.
    Die anderen wurden zurückgelassen. Es wurde still und man war gespannt darauf, was die beiden wohl entdecken würden. Ihre Blicke folgten teilnahmslos hinter den Beiden her wie sie auf das offene Tor des Walles, den etwa dreihundert Meter vor ihnen zuliefen. Jedenfalls hörten sie auf ihre Wagen für den Tauschhandel vorzubereiten. Mit schweren langsamen Schritten kamen sie schliesslich bis auf gut zehn Meter nahe dem Tor und blieben stehen. Als sie sahen, dass sich das Tor durch die Winde, das immer noch mit vereinzelten Schneeflocken getränkt war, hin und her bewegte, zog auch der Vater sein Schwert während sich der andere einen Pfeil in den Bogen spannte. Sie sahen sich beide an und danach schauten sie zu der sich durch die kalten heftigen Lüfte bewegenden zwei Meter hohen Tor. Das Holz knarrte etwas.
    „Aron, es scheint niemand da zu sein, um dieses Tor zu verankern. Und ich höre keine Stimme, - gar nichts!“ sagte Onuma. „Etwas ist hier geschehen, denn normal ist das keineswegs!“
    Aron nickte: „Es ist so still hier!“

    Nach meinem Lektorat liest sich das dann so:

    Der Vater liess während des Abladens den Eingang zum Dorf nicht aus den Augen. Doch etwas stimmte hier nicht. Das Tor stand offen, aber niemand aus dem Dorf kam, um sie zu empfangen. Es war ruhig - zu ruhig.
    Einer der anderen Fahrer ging zu Harurs Vater. „Wo sind sie denn alle geblieben?“
    Der Angesprochene zuckte mit den Schultern. „Bleibt hier, ich werde nachsehen“, sagte er. „Bindet die Pferde los, Freunde, etwas scheint hier nicht mit rechten Dingen zuzugehen.“
    Der andere Mann lief nach hinten zu seinem Wagen, gab den anderen Bescheid und holte vorsichtshalber seinen Bogen und den Köcher mit den Pfeilen hervor. „Onuma, ich gehe mit!“, rief er und rannte ebenfalls auf das Tor zu. Onuma nickte und wartete. Gemeinsam gingen die beiden Männer weiter. Der Wind bewegte das Tor, und das Holz knarrte leise. Onuma zog sein Schwert, während der andere einen Pfeil auf die Sehne des Bogens spannte. Sie sahen sich an.
    „Aron, das Tor war nicht verankert. Und ich höre keine Stimmen, gar nichts“, sagte Onuma. Aron nickte: „Es ist so still hier!“

    Und nun denkt bitte nie wieder, dass Autoren und Autorinnen druckfertige Bücher schreiben!

  • Der rettende Engel

    Die spontane Umplanung der Wohnungsabgabe machte mich um die Erfahrung reicher, dass a) der März ein „umzugsstarker Monat“ ist und somit b) kein einziges Brockenhaus in Basel und Umgebung kurzfristig Zeit hatte, meine überzähligen Möbel abzuholen. Bringen und in Empfang nehmen, ja gerne. Holen – ausgeschlossen. Was nun? Mein lieber Mikael musste raus, ebenso das Klappbett, das dem Gourmel während der seltenen Besuche meiner Jungs als Nachtlager diente, ausserdem das Nachtkästchen, das Schuhregal und noch ein paar Kleinigkeiten.
    Mikael und das Bett waren definitiv zu sperrig, als dass ich sie allein hätte runtertragen können. In meiner Not funkte ich das Küken an, das sich widerwillig bereit erklärte, mir zu helfen, und dann versuchte ich es noch bei einer anderen Adresse, nämlich meiner Ex-Mitarbeiterin Angi, die in Basel auch gelegentlich den Gourmel hütete, und welch Glück: ihr grosser, kräftiger Mann hatte Ferien und daher Zeit und erklärte sich sofort bereit, helfend einzuspringen.

    In kürzester Zeit hatten wir die Teile im Auto, und als Stefan erfuhr, dass ich Mikael entsorgen möchte, fand er, der wäre viel zu schade und eigentlich bräuchte er genauso einen Schreibplatz, der würde, weil so schmal, genau in die Lücke im Wohnzimmer passen, und nach einem Telefonat ergab eins das andere, und so hat Mikael unerwartet ein neues Zuhause gefunden. Ich hoffe, ich darf ihn ab und zu besuchen …

  • Das Ende einer grossen Liebe

    Seit drei Wochen ist es vorbei. Unwiderruflich, endgültig.

    Ich hatte ja schon lange gewusst, dass dieser Moment kommen wird. Ich wusste, unsere gemeinsame Zeit ist begrenzt.

    Trotzdem war es schmerzlich, meine Basler Wohnung abzugeben.

    In der ersten Märzwoche verbrachte ich noch zwei Tage dort, musste wegen Alenas PC-Kurs zum einen und einer plötzlichen Erkrankung des Gourmels zum anderen meine gesamte März-Planung umstellen und mich somit viel früher von meiner Basler Wohnung trennen, als ich es eigentlich gewollt hatte.

    Ich verbrachte geschlagene fünf Stunden mit Putzen und schrubbte und wischte so ziemlich alles, was mit einem nassen Lappen oder einem Staubtuch erreichbar ist. Nur die Kristallleuchter schenkte ich mir. Anschliessend fuhr ich abends nach Muttenz und warf die Schlüssel bei den Eltern meines Vermieters in den Briefkasten – und es war vorbei.

    Meinen letzten Basler Abend verbrachte ich mit dem Küken und seinem Freund im Noohn bei Sushi und einem Gläschen Wein, dann herzte ich das Küken lange zum Abschied und brauste ostwärts.

    Bei der Ausfahrt Eiken kämpfte ich mit den Tränen.

  • Mein Blog bringt mich zur Verzweiflung

    Da wollte ich also eine wunderbare Fotostrecke von unserem Ikea-Besuch gestalten. Ich habe jetzt genervt aufgegeben. Für den letzten Blogeintrag habe ich etwa ein Dutzend Anläufe und ebensoviele Zwischenspeicherungen gebraucht, um mickrige 4 Bilder mit zwei Untertiteln zu laden, von denen einer nicht einmal zentriert ist.

    Nervigkeitsstufe 1: der Internet-Zugang.
    In Basel hatte ich, wegen der freundlichen Verweigerung meiner netzwerkbestückten Nachbarin, mobiles Internet, das zwar relativ teuer war, aber doch immerhin funktionierte. Hier in Wittenkaff kriege ich das Teil zum einen nur mit Ach und Krach an den ungeraden Tagen, bei Vollmond und einem Luftdruck über 1020 mbar zum Laufen, zum anderen ist es, entgegen seiner Arbeitsbeschreibung, gottserbärmlich langsam. Diese Option fällt also aus.

    Der heimische Internetzugang funktioniert zur Zeit über ein gutes altes Modem-Kabel und ist verhältnismässig schweineteuer. Wäre machbar, beeutet aber: Laptop von meinem Arbeitsplatz zum Internetanschluss tragen, erstmal den Schleppi meines Mannes ausstecken und abkabeln, meinen anstecken und ankabeln und dann in möglichst kurzer Zeit komprimiert alles am Internet erledigen, was zu erledigen ist. Gemütliches Rumsurfen wird einem dadurch ziemlich verleidet.
    Theoretisch sollte das heimische Netz drahtlos funktionieren, aber weder mein Mann noch ich haben es bisher geschafft, mit der Installations-CD unsere Schleppis so fit zu kriegen, dass sie die Verbindung zur Funkstation finden. Hier muss also ein Fachmann her, den zu organisieren jetzt meine Aufgabe ist. "Du hast ja schliesslich Zeit." Klar!

    Ausweichoption 1 wäre der ansonsten sehr nette südamerikanische Nachbar unter mir, der eine drahtlose Station hat, von der ich noch dazu immer ausgezeichnete Signale kriege. Passwort her und los geht´s. Ich fragte vorgestern höflich nach, ob das möglich wäre, und er sagte "selbstverständlich, kein Problem". Gestern abend klingelte er, um mir mit dem allergrössten Bedauern mitzuteilen, dass er mir das nicht getstatten könne. Er habe mit dem IT-Sicherheitsfachmann in seiner Arbeit gesprochen, und der hat ihm offenbar Schauergeschichten von gehackten Netzanschlüssen und abgeräumten Bankkonten erzählt, kurz und gut: ich kriege auch diesen Anschluss nicht.

    Ausweichoption 2: im Nebenhaus betreiben zwei Familien ungesicherte Netzwerkanschlüsse, an die ich mich des öfteren dranhänge. Das reicht zum Mailen, für ein paar Partien Word Challenge, und, wenn ich Glück habe, zum Laden von Webseiten mit nicht allzu voluminösen Inhalten. Für eine Fotostrecke auf dem Blog wird es kritisch. Das Signal schwankt zwischen "niedrig", "sehr niedrig" und "keine Konnektivität". Wenn ich Glück habe, bleibt lang genug auf "niedrig". Wenn ich Pech habe, lade ich gerade ein Foto hoch und das Signal steigt aus.

    Nervigkeitsstufe 2: der Blog-Editor selber.
    Man sollte meinen, es sei möglich, eine Bildunterschrift kursiv UND zentriert hinzukriegen. Abgesehen davon, dass der Editor die jeweiligen Formatierungen kryptisch verschlüsselt, passiert es dann andauernd, dass ich Meldungen der Art
    "Aktualisieren nicht möglich. Tag p ist in Tag em nicht erlaubt"
    erhalte. Sprich: ihm passt an der Zusammenstellung kursiv-fett etwas nicht. Was es auch ist. Nehme ich kursiv raus, erscheint prompt die Meldung:
    "Tag p ist in Tag p nicht erlaubt."
    Was meistens dazu führt, dass ich entnervt alles lösche, neu hochlade und auf Kooperation des Blogs hoffe, wobei ganz sicher just in genau dem Moment das Signal aus dem Nachbarhaus aussteigt.

    So, Freunde, und jetzt wisst ihr, womit ich so meine Vormittage verbringe...

  • Schreibst du noch oder lebst du schon?

    Die „Ohrenhöhe“, eine meiner beiden Schreibgruppen, arbeitet zur Zeit an Texten zum Thema „Wohnen“. Was liegt da näher, als einen Abend in der Mutter aller Möbelhäuser zu verbringen und sich dort von den wunderbaren Namen und Ausstellungsstücken inspirieren zu lassen?
    Meine grosse Liebe ist seit diesem Tag Sultan Hasselbäck, und was uns sonst noch so an Inspirationen über den Weg lief, habe ich mit ein paar Bildern festgehalten.
    Übrigens sage da noch einer, Frauen seien nicht technisch begabt – die Fotos vom Handy auf den Computer zu kriegen, das war durchaus nicht ohne, und die anschliessende Bildbearbeitung (schärfen, Helligkeit, Farben, Ausschnitte setzen etc.) gab auch noch zu tun. Man sieht, ich habe Zeit.

    Handpoppa Handpuppenparade Garderobenbommel
    Handpuppen und Garderobenbommel sind für das kindliche Element zuständig

    Auf dem Sultan

    Auf meiner neuen Liebe, dem Sultan

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